Delfina Paradise – Eine Liebe in München
Freitag, 24. April 2009 | Autor: Hans Pfitzinger
Die bayrische Küche in der Emmeramsmühle ist eigentlich keine Zeile wert. Der Koch versteht ein bisschen was von Kraut und Knödeln, von fränkischen Rostbratwürsten, die Sebastian letztes Jahr im Frühjahr hier verzehrt hat, und von Schweinsbraten hat er keine Ahnung. Das Schwarzbrot liegt über dem sonstigen Niveau, das backt der Koch auch nicht selber.
Delfina will Krustenschweinebraten, also für Sebastian dasselbe.
Mit gemischtem Salat oder Krautsalat?
„Hat der Krautsalat schön viel Kümmel?“, fragt er den Kellner.
Der nickt gnädig.
„Mit Krautsalat.“
„Für mich auch“, sagt Delfina.
Ois stimmt.
Bis der Kellner ankommt und fragt, ob sie nicht vielleicht auf die Längsseite des langen Tisches rumrutschen wollen, weil er da, wo Delfina und Sebastian sitzen, noch vier Leute platzieren will. „Nein, das will ich nicht“, sagt Sebastian. „Aber wir gehen gern an einen anderen Tisch.“
Will er nicht, der Kellner. Dann stellt sich heraus, dass die vier Menschen, die da neu ankommen, mit dem Pärchen bekannt sind, das schon die ganze Zeit am anderen Tischende sitzt. Also setzen sie sich dazu und freuen sich und reden dermaßen laut durcheinander, dass Delfina sagt: „Ich hör nichts mehr.“
Sie können sich nicht mehr unterhalten.
Es kommt noch schlimmer. Die Soße schmeckt, der Krautsalat mit gerösteten Speckwürfeln und der Knödel auch. Das Fleisch ist hart wie Seife und schmeckt nach gar nichts.
So geht man nicht mit toten Schweinen um.
Aus dem soeben erschienenen Buch “Delfina Paradise – Eine Liebe in München”. Novelle. Taschenbuch, 9,90 Euro. In jeder Buchhandlung! Support your local bookstore!
Von Hans Pfitzinger (mit freundlicher Genehmigung des Autors).



