Schweinebratentest – “Bürgerheim”, München
Sonntag, 14. Februar 2010 | Autor: Koeberle
Die Frage drängt sich förmlich auf: “Hält er, was er verspricht?”, denn ganz ohne falsche Bescheidenheit steht da in der Speisenkarte zu lesen: „Sau guada Schweinsbraten mit Dunkelbiersoß, Kartoffelknödel und Krautsalat” für humane 8,40 € – na, da sind wir doch mal gespannt…
Das Bürgerheim im Münchner Westend, nur einen Steinwurf von der Augustiner Brauerei entfernt, nennt sich selbst “Münchens größtes Wohnzimmer”. Und wenn man das Lokal zum ersten mal betritt, hat man tatsächlich das Gefühl, dass sich die Gäste hier zu Hause fühlen. Die Altherren-Schafkopfrunde, der Student mit Laptop am Tisch, das verliebte Pärchen am Nachbartisch und im Nebenzimmer die Fußballfans, die gebannt das Pokalspiel zwischen dem FC Bayern und Fürth auf der Mattscheibe verfolgen. Und das ganze in moderner, puristischer Ausstattung ohne die Wurzeln als traditionelles bayrisches Wirtshaus zu verleugnen – das gefällt.
Aber wir sind ja nicht der wegen der Athmosphäre hier her gekommen, der Schnitzenbaumer, der Zippo-Schorsch und meine Wenigkeit haben es auf den Schweinsbraten abgesehen. Als erstes fällt uns natürlich der realistische Preis von 8,40 € ins Auge. Für Münchner Verhältnisse ist das ja ein wirklich faires Angebot. Serviert wird der Schweinsbraten mit anständig großen Kartoffelknödel und einem Teller Krautsalat mit Speck. Die beiden Scheiben Fleisch mit röscher Kruste sind schön marmoriert, saftig, zart und einfach unheimlich gut. Der ausgezeichneten Dunkelbiersauce merkt man sofort an, dass sie auf ehrliche Art aus dem Bratenfond gewonnen wird und nicht mit Glutamat und sonstigen Geschmacksverbrechen angereichert ist. Der dazu gereichte Kartoffelknödel ist von der Größe genau richtig, geschmacklich hätte der Kartoffelteig eine kleine Prise Salz mehr vertragen – allerdings ist der Knödel ja dazu gedacht, die hervorragende Sauce aufzusaugen und was will man da geschmacklich noch an einem fehlenden Salzkorn aussetzen? Der Krautsalat mit Speck hat Biss und rundet das Gericht einwandfrei ab.
Natürlich haben wir uns in einer Augustiner-Wirtschaft für ein anständiges Helles vom Fass entschieden – der Schnitzenbaumer ist seinem Dunklen “König Ludwig” Weißbier treu geblieben. Am Bier gibts sowieso nichts zu mäkeln, aber Biertester werden wir ja auch erst in unserem nächsten Leben. Und weil’s gar so gut war und wir dem Koch das auch gesagt haben, wurden wir noch mit einer kleinen Sauerkirsch-Schokoladen-Tiramisu als Nachtisch verwöhnt.
Unser Urteil: Der “Sau guade Schweinsbraten” hält unbedingt was er verspricht. Für uns war es ein Erlebnis und für München ist das Bürgerheim auf jeden Fall ein Geheimtip. Wir vergeben 4 1/2 HalloSchwein-Kochmützen. Den halben Punkt Abzug gibts eigentlich nur dafür, dass wir nach oben noch etwas Luft haben und für die kleine Prise Salz, die dem Knödel gut getan hätte.






Dieser Testbericht ist vom Februar und ich warte sehnsüchtigst auf einen neuen.
Auf, auf in die Wirtschaft!